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“But Edinburgh is a mad god’s dream. Fitful and dark, unseizable in Leith and wildered by the Forth.” – Hugh MacDiarmid

Seit gestern bin ich wieder aus dem Land wo Haggis und Dudelsäcke blühen zurück, zumindest körperlich. Geistig schwebe ich noch irgendwo dazwischen. In etwa kurz vor der französischen Küste würde ich schätzen. Ich habe eine wirklich spannende Zeit gehabt.

Holyrood Park - Wildnis direkt vor meiner Haustür

Am ersten Tag musste ich früh aufstehen und obendrein war die Nacht davor so unangenehm warm, dass erstens das schottische Wetter kaum erwarten und zweitens kein Auge zumachen konnte. Dementsprechend war ich ungeheurlich müde, als ich das Flugzeug in Hahn betreten habe. So ziemlich alle Fluggäste waren Schotten die vom Rock am Ring kamen und auch die Crew war komplett schottisch. So brauchte ich erstmal ein paar Minuten um zu verstehen, was der Kapitän gesagt hatte: “Wir fliegen jetzt in Turbulenzen, bitte schnallen sie sich an.” Als das Flugzeug das erste Mal abgesackt war hatte ich es aber dann auch so kappiert. Wie ich da gesessen habe, permament mit einem hohlen Gefühl im Bauch vom Druckabfall – da dachte ich darüber nach, wie ich leichtfertig mein Leben riskiert habe, für ein paar Tage Urlaub, das also der Urlaub einen potenziellen Tod aufwiegt :P Von da an habe ich beschlossen, dass es sich dann auch lohnen soll.

Schottland hat mich unfreundlich begrüßt, mein erster Schritt auf der Flugzeugleiter wäre fast mein Letzter gewesen, denn es wehte so ein starker Wind, dass ich fast gefallen wäre. Die Idee, Papstlike den Boden zu küssen, habe ich deshalb schnell verworfen und die Wärme mehrerer Shuttlebusse und letzlich meines Zimmers gesucht. Am ersten Tag hab ich das auch nur aufgegeben um beim Tesco das weicheste Brot und die geschmacklosesten Chips zu kaufen, die ich je gesehen habe. Das kurze “Nickerchen” das ich danach halten wollte dauerte bis zum nächsten Morgen.

Turm und Obelisk vom Carlton Friedhof

Am nächsten Morgen hat mich das Frühstücksbuffet umgehauen, das hätte ich für den Spottpreis nicht erwartet. Eine riesige Auswahl und obendrein alles Bio und Fairtrade – Allererste Sahne! Dementsprechend gestärkt wollte ich in den “Park” hinterm Haus gehen, dieser Park stellte sich als endlos großes Stück Natur heraus, mit großen Bergen und sogar echten Lochs. Nur ein bisschen laufen wollte ich. Aber dann dachte ich mir, warum steig ich nicht auf diesen Hügel hier. Oben sah ich das hinter mir ein noch größerer Berg war, Arthurs Seat – Also auch da rauf. Mittlerweile sah man schon das Meer am Horizont. Von dort oben sah ich auf der anderen Seite eine interessante Ruine, also bin ich dort hingelaufen. Von da habe ich einen See mit Schwänen gesehen, also da hin.  Der Park hat mir so gut gefallen, dass ich daraufhin jeden Tag da wandern war, auch wenn mit jedem Mal meine Füße mehr weh getan haben. Mit dem herumlaufen an diesem ersten Tag ging das noch 8 Stunden weiter und ich war am Ende dreimal quer durch die ganze Stadt gelaufen. Das Wetter war extrem gut geworden, praller Sonnenschein und blauer Himmel. Das sollte auch durchgängig so bleiben, ganz unschottisch sozusagen.

Cooler Innenhof

Den Abend verbrachte ich im Pub Auld House, da gab es sau leckere Ales und aus der Jukebox kam nur Metal, Gothic und Punk, noch dazu gratis W-Lan. Der Abend war echt super. Das Bier ist aber echt teuer drüben – 3£ pro Pint ist das allerbilligste, eher normal waren 3,70 oder mehr. In dem Pub fiel mir plötzlich auf, dass es erst Donnerstag war, nicht schon Freitag, wie ich die ganze Zeit gedacht hatte. So hatte ich ohne irgendwelches Zutun einen ganzen Tag Urlaub geschenkt bekommen. Lustig, wie Selbstäuschung hilfreich sein kann.

Blick nach Norden aus dem Holyrood Park

Später in der Woche war ich in Bannermans Pub zu einem Black Metal Konzertabend mit 7 Bands von denen nur 5 gekommen sind. Die Musik war wider Erwarten wirklich gut, aber das Publikum war das langweiligste, das ich je erlebt habe. Bis auf einen verrückten bärtigen Spanier in der Ecke, der ein bisschen seinen Kopf geschüttelt hat, standen alle nur blöde rum. Lauter langhaarige, schrankförmige Kuttenträger, aber keiner hat sich bewegt. Als ich rumgefragt habe ob denn nicht vielleicht jemand Lust hätte ein bisschen den Daumen aus dem Arsch zu ziehen und zu moshen oder wenigstens zu pogen, wollte nicht auch nur einer. Anscheinend waren alle zu sehr damit beschäftigt kriegerisch und böse dreinzublicken.. Und ich dachte immer das deutsche Publikum wäre lahm..

Naja, immerhin war das Bier sehr gut in dem Pub und ich konnte mich kurz mit dem Sänger der Band “Moonrape” unterhalten, der sich überraschend als Deutscher herausgestellt hat. Netter Zeitgenosse.

Straßenkünstler

Auch cool und wirklich empfehlenswert war der comdey club “The Stand”, da gibt es Sonntags eine kostenlose Impro-Show und hausgemachtes Essen. Das Chili, das ich da bekommen habe, war ungelogen das beste, das ich je gegessen habe. Die Show war zum schreien komisch, zwei talentierte Komiker, die auf Zuruf aus dem Publikum reagiert haben, und daraus ihre Sketche gebastelt haben. Die Hälfte ging natürlich auf Kosten vom englischen Torwart, der am Abend zuvor auf legendär blöde Art ein Tor der Amerikaner nicht gehalten hat. So eine Gelegenheit der Hähme lassen sich die Schotten vor den Engländern natürlich nicht entgehen.

Schottisches Nationalmuseum

Insgesamt kann man sagen, dass Edinburgh eine wunderbare Stadt, Schotten wunderbare Menschen, Schottisches Ale wunderbares Bier und Haggis überraschend wirklich lecker ist.

Namaste!

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