Mein lieber Freund,
Dieser Brief kommt viel zu spät, ich weiß. Aber ich musste mir diese Jahre nehmen um mir selbst Sicherheit zu verschaffen und um zu wissen, dass diese Gefühle für dich wahr sind. Ich kann dies erst jetzt mit aller Leidenschaft und Überzeugung sagen.
Wir kennen uns beinahe mein ganzes Leben und wir haben großartige Zeiten miteinander verbracht. Wir waren vereint in Schwermut und in Freude und wir waren niemals weit von einander entfernt. Ich achte dich dafür.
Aber, mein Freund, das alles ändert nichts an der Tatsache, dass wir nicht zusammen gehören.
Ich denke, das fühlst du auch.
Es ist mittlerweile 10 Jahre her, dass wir auf dieser Bank saßen, im Sommer und ein langes Gesräch führten. Es war um diese Zeit, dass wir uns der riesigen, aber unausprechlichen Gefahr bewusst wurden, die über uns schwebte, bereit jeder Zeit zu fallen und uns zu zermalmen wie ein Damoklesschwert. Wir verstanden es damals noch nicht, aber wir wussten, dass es ernst war.
Ich denke du hattest den Verdacht ich wäre schuld daran, und ich denke heimlich beschuldigte ich auch dich. Aber in einem fruchtlosen Optimismus beschlossen wir, uns an die Idee zu klammern, dass unser Umfeld die schuld trägt. Also standen wir zu einander und wir verließen sie alle. Wir marschierten in den Krieg.
Und wir überlebten.
Wir versuchten einen Neuanfang, damals. Bauten ein neues Leben aus jenen rauchenden Ruinen. Und wir umarmten die Lüge. Diese Lüge war es, die uns zusammen hielt. Aber ich habe nie ganz aufhören können zu zweifeln, und ich weiß, das hast auch du nicht. Demnach war es nur zu erwarten, dass wir von dem Zeitpunkt an, nicht mehr wirklich zusammenpassten. Wir teilten ein Geheimnis, zu schrecklich als das wir es mit irgendjemanden als uns gegenseitig hätten teilen können, dennoch konnten wir einander nicht trauen.
Und dann war da diese fremde Kraft, die aus den Bergen von Scheiße aufstieg wie eine Sonne und die all unsere Idiotie in gleißendes Licht tauchte. Die Sonne war perfekt, sie war stabil, sie war makellos. Und so, einen nach dem Anderen entfernten wir die Pfeiler und Klammern aus zerbrechlichem Ton, die unsere Gebäude notdüftig hielten und ersetzten sie mit den stabilen, makellosen Pfeilern die uns die Sonne gab.
Erinnerst du dich, wie die Sonne wegging? Wie die Wolken kamen und der Regen?
Wie die Sturmwelle kam?
…Wie das Haus einstürzte?
Du hast mir gesagt es sei meine Schuld gewesen. Du hast gesagt ich hätte auf die Stabilität achten müssen. Dass es mein Fehler war, die tragenden Pfeiler zu ersetzen. Ja, hast du gesagt, die neuen Teile waren stabiler, aber wir haben sie nicht kontrolliert, wie die alten!
Ich hingegen gab dir die Schuld, weil du die Sonne hast verschwinden lassen.
Und das hast du. Das hast du, und dafür hasse ich dich.
Es war meine Schuld das alles zu zu lassen, aber ich hasse dich.
Wir sind gleichermaßen schuldig. Deshalb denke ich, dass sich unsere Wege hier trennen sollten. Ich ertrage dich nicht mehr.
Du machst mich krank und ich weiß, dir geht es auch so.
Es ist schwer eine solche Schlußlinie nach 20 Jahren zu ziehen, das weiß ich. Aber hier endet es.
I wünschte ich könnte dir sagen, dass ich dir das Beste wünsche oder dass ich dich liebe. Beides wäre eine Lüge.
Lebwohl und Namaste.
Pic © Galifardeu


1 Kommentar
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14. Juli 2010 um 10:20
pluvilia
puh, das ist heftig. alles gute, dass du irgendwann wirklich drüber wegkommst und es tatsächlich vergangenheit ist…